Widerstand


Wir richten uns an Euch mit einem Appell zur Vorsicht. In der von uns publizierten Broschüre zum Linux-Live-System „Tails“ empfehlen wir die Benutzung der sog. „MAC Randomisierung“. Die Randomisierung ersetzt bei euren Netzwerkadaptern die eincodierte und eindeutige MAC Adresse durch einen Zufallswert. Dadurch soll verhindert werden, dass anhand der MAC Adresse eure Gerät wiedererkannt werden kann.

In letzter Zeit sind wir über einige Papiere gestolpert:

Why MAC Address Randomization is not Enough: An Analysis of Wi-Fi Network Discovery Mechanisms
https://papers.mathyvanhoef.com/asiaccs2016.pdf

Defeating MAC Address Randomization Through Timing Attacks
https://hal.inria.fr/hal-01330476/document

A Study of MAC Address Randomization in Mobile Devices and When it Fails
https://content.sciendo.com/downloadpdf/journals/popets/2017/4/article-p365.xml

Know Thy Quality: Assessment of Device Detection by WiFi Signals
http://sig-iss.work/percomworkshops2019/papers/p639-rutermann.pdf

Alle behandeln das Thema MAC Randomisierung (insb. von WIFI-Adaptern) unter dem Aspekt, ob nicht doch die eigentliche MAC Adresse „rauskitzelbar“ ist oder es andere Wege gibt, die Wiedererkennbarkeit eures Geräts zu ermöglichen. Ohne auf Details eingehen zu wollen: Die Bilanz sieht für diejenigen, die Wert auf ihre Anonymität legen, nicht gut aus.

Das Thema ist vielschichtig und wir haben uns rangesetzt, um genauer hinzusehen. Die Recherche wird etwas dauern, bis dahin empfehlen wir:

  • Baut den WIFI Adapter aus eurem Tails-Laptop aus.
  • Verwendet (billige) USB-WIFI Sticks und *entsorgt sie nach Gebrauch*.
  • Verwendet nach wie vor die MAC Randomisierung, auch wenn sie ihr Versprechen (vielleicht) nicht halten kann, fügt sie eine weitere Ebene der Verschleierung ein.
  • Verwendet weiterhin Tor und Tails, um zumindest auf der Ebene eine Anonymität aufrecht zu erhalten.

capulcu, September 2019


homeUnsere Verweigerung, am digitalen Dauersenden teilzunehmen und unsere Bemühungen um Selbstverteidigung gegen den digitalen Zugriff (Band I) sind unzureichend bei dem Versuch, uns langfristig der vollständigen Überwachung und Fremdbestimmung zu entziehen.

DISCONNECT! führt aus, warum ein Gegenangriff auf die Praxis und die Ideologie der totalen Erfassung, Bewertung und Lenkung dringend notwendig ist. Der Anpassungsdruck des Menschen an die Maschine wirkt bereits jetzt – weit vor einer vollständigen Vernetzung aller mit allem (Band II).

DISRUPT! beschreibt die Versuche, das menschliche Dasein den Anforderungen einer reduktionistischen künstlichen Intelligenz zu unterwerfen. Das redaktionskollektiv çapulcu dechiffriert diese – oft unhinterfragte – Entwicklung als Angriff auf unsere Autonomie und analysiert seine entsolidarisierende Wirkung. Denn Technologie ist nie neutral, sondern immanent politisch. Die Autor*innen plädieren für die Wiederbelebung einer praktischen Technologiekritik zwischen Verweigerung und widerständiger Aneignung spezifischer Techniken (Band III).

DELETE! untersucht die aktuelle Transformation des Kapitalismus – und damit auch der Machtverhältnisse – durch den ›technologischen Angriff‹. Der Einfluss der Tech-Giganten auf die Ökonomisierung der entlegensten Lebensbereiche nimmt stetig zu, während klassische politische Institutionen an Bedeutung verlieren. Soziale Punktesysteme verlängern mit ihrem permanenten ›Rating‹ und ›Scoring‹ die Reichweite der lenkenden Disziplinierung weit über die direkte Ausbeutung im Arbeitsverhältnis hinaus. Mit welchen Methoden und Zukunftsvisionen überformen Unternehmen wie Facebook, Google, Amazon & Co. unsere Kommunikation und unser Denken? Wie verändern sich angesichts einer zunehmend digitalisierten Fremdbestimmung die Bedingungen für Autonomie und soziale Revolte? Und wie lässt sich die beabsichtigte Vereinzelung und Entsolidarisierung bekämpfen? (Band IV)